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Gerbmittel Auslaugetemperaturen

Auslaugetemperatur:

Eine entscheidende Rolle kommt bei dem Arbeitsablauf der Extraktion zweifellos der Auslaugetemperatur zu, die nicht nur die

Gerbstoffausbeute, sondern auch besonders die gerberischen Eigenschaften der dabei erhaltenen Gerbbrühen beeinflusst. Die optimale Extraktionstemperatur, bei der nun die Höchstmenge an Gerbstoff aus einem Gerbmittel ausgelaugt wird, liegt bei den einzelnen Gerbmitteln verschieden. So konnte ermittelt werden, dass die maximale Lösewirkung des Wassers gegenüber dem Gerbstoff bei folgenden Temperaturen eintritt:

Fichtenrinde90-100°C
Eichenrinde80-100°C
Mangrovenrinde80-90°C
Mimosarinde70-80°C
Kastanienholz110-125°C
Quebrachoholz80-90°C
Myrobalanen90-100°C
Sumach50-60°C
Trillo50-60°C
Valonea60-70°C

Neben der Auslaugetemperatur beeinflusst auch das Verhältnis der angewandten Wassermenge zu dem auszulaugenden Gerbmittel dass Extraktionsergebnis. Beim Einsatz von zu wenig Wasser erhält man eine stärkere Brühe, doch verläuft die Auslaugung hierbei mangelhaft. Die Anwendung größerer Wassermengen dagegen führt bei einer sehr weitgehenden Auslaugung zu dünnen Brühen, die nachher eingedampft werden müssen.

Auch die Beschaffenheit des Extraktionswassers spielt eine Rolle, es soll möglichst weich sein und salzfrei gehalten werden, da zu hohe Anteile an Calzium- und Magnesiumsalzen mit dem Gerbstoff unlösliche bzw. schwerlösliche Verbindungen eingehen, die zur Minderung der Gerbstoffausbeute führen können. Eisenhaltiges Wasser ist für die Auslaugung pflanzlicher Gerbmittel vollkommen untragbar, da es die Gerbbrühe dunkel färbt.

Eine Extraktion unter Zusatz von Chemikalien, d. h. durch Beigabe von Sulfit und Bisulfit zum Extraktionswasser, kann zu einer erheblichen Verbesserung der Gerbstoffausbeute führen. Zugleich wird durch eine sorgfältige Verwendung von Salzen der schwefligen Säure erreicht, dass die in der Brühe vorhandenen schwerlöslichen Gerbstoffanteile, die mit Wasser allein nicht auszulaugen sind, durch diese sulfitierende Extraktion in Lösung gebracht werden.

Die Stärke der bei der Auslaugung pflanzlicher Gerbmittel erhaltenen Auszüge bzw. Gerbbrühen, d. h. deren Dichte, bedingt durch sämtliche gelösten Substanzen, wird in der Praxis in Baumé - Graden mit Hilfe der sogenannten Baumé-Spindeln (Aräometer) ermittelt. Die bei der Auslaugung erhaltenen Auszüge sind im allgemeinen 2 - 10° Bé stark und werden zur Konzentrierung des Gerbstoffgehaltes unter Vermeidung von Zersetzungserscheinungen und oxidativen Veränderungen in geschlossenen Gefäßen im Vakuum eingedampft.

Bei jeder Extraktion bleibt ein gewisser Anteil Gerbstoff im ausgelaugten Extraktionsgut, in der Lohe, zurück, der als Gerbstoffverlust angesehen werden muss und bei den einzelnen Gerbmaterialien verschieden anfällt. Allgemein wird eine Extraktion als befriedigend geführt angesehen, sobald der in der Lohe ermittelte Restgerbstoff 10 % der in den noch nicht ausgelaugten Gerbmitteln vorhandenen Gerbstoffmengen nicht übersteigt.


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lederbegriffe/gerbmittel_auslaugetemperaturen.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 11:58 (Externe Bearbeitung)