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Casein-Zurichtung

Als Bindemittel für die Casein-Zurichtung wird vorwiegend das durch Säure aus der Magermilch ausgefällte Casein benutzt. An die Stelle des früher bevorzugten Milchsäurecaseins tritt in jüngerer Zeit in verstärktem Ausmaß das geruchsärmere Salzsäurecasein. Für Appreturen werden als Eiweißsubstanzen auch Ei- oder Blutalbumin herangezogen, da sie beim Glanzstoßen höheren Glanz erreichen lassen. Blutalbumin wird infolge der bräunlichen Eigenfarbe weniger für hellfarbige Zurichtungen, bevorzugt für schwarze Stoß-Zurichtungen eingesetzt. Zum Modifizieren der Bindemitteleigenschaften können dem Casein Weichmacher, Wachs, Schellack oder ähnliches synthetisches Harz beigemischt werden. Das Casein kann auch durch polyamidbildende Substanzen (Caprolactam, Polycarbonsäuren) verändert werden.

Zur Farbgebung der Casein-Zurichtung dienen feinverteilte Pigmentzubereitungen auf der Basis caseinhaltiger Farbpasten oder -pulver oder bindemittelfreie wässrige Pigmentpasten oder -dispersionen. Gröberteilige anorganische Pigmente ergeben deckende Zurichtung, feinteilige organische Pigmente lassen lasierende Zurichteffekte erreichen. Farbintensität und Deckwirkung hängen davon ab, wie intensiv die agglomerierten Pigmentteilchen aufgeschlossen werden können und wie stabil diese Feinverteilung erhalten bleibt. Ausgesprochen transparenter (Anilin-) Zurichteffekt wird durch pigmentfreie, mit wasserlöslichen oder lösemittellöslichen, wassermischbaren Farbstoffen angefärbte Flotten erreicht.

Die wasserlöslichen Eiweißstoffe werden durch das Auftrocknen auf dem Leder noch nicht nässebeständig. Sie müssen mit Formaldehyd oder Formaldehyd-Chromsalz-Lösung fixiert werden, damit sie durch Wasser nicht mehr vom Leder herunter gelöst werden können.

Der nichtthermoplastische Charakter der Eiweißbindemittel macht die Casein-Zurichtung besonders für die Glanzstoß-Zurichtung geeignet. Sie wird bevorzugt für Boxkalb-, Chevreau- und Rindboxleder angewendet. Leder mit weicherem Griff (Futterleder, Galanterieleder, modisches Schuhoberleder) kann auch bei Casein-Zurichtung abgebügelt werden.

Eiweißbindemittel ergeben bei der verhältnismäßig trockenen Spritzanwendung eine rasterartige Struktur von an- und aufeinander gelagerten Mikroperlen. Die mikroskopisch unebene Oberfläche wird durch den starken Druck und die Reibung beim Glanzstoßen geglättet. Der dadurch erzielbare Glanz wird aber infolge der zwischen den angetrockneten Tröpfchen verbleibenden Zwischenraume etwas beeinträchtigt. Höherer Glanz und stärker ausgeprägte Brillanz der Farbe können erreicht werden, wenn der abschließende Appreturauftrag, welcher dann glanzgestoßen wird, nicht gespritzt, sondern im Streichverfahren mit Plüsch oder Schwamm aufgebracht wird. Die gegenüber dem Spritzen nasser aufgetragene Streichflotte kann vor dem Antrocknen besser verlaufen und die Zwischenraume des Rasterfilms stärker ausgleichen


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lederherstellung/zurichtung/casein-zurichtung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)