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Mattiermittel und Griffmittel

Der letzte Auftrag, die Appretur, bestimmt maßgeblich Aussehen und Griff des zugerichteten Leders. Man kann damit Glanz- und Matteffekte mit den dazwischen liegenden Stufen von Seidenglanz bis halbmatt einstellen. Auch der Griff der Lederoberfläche kann von trocken bis fettig oder wachsartig schmalzig variiert werden. Richtung und Ausmaß der gewünschten Abwandlung von Glanzstufe und Griff sind je nach Abnehmerkreis und Verwendungszweck des zugerichteten Leders sehr verschieden. Sie hängen auch stark von modischen Einflüssen ab. Die Einstellung jeweils gesonderter Appretiermittel für die unterschiedlichen Effekte durch den Hersteller würde Lagerhaltung und Vorratsdisposition der Zurichtabteilung komplizieren und außerdem die Individualität der einzelnen Lederfabriken einschränken. Man zieht es deshalb vor, die Standardappretiermittel mit geringen Beimischungen von Mattier- und Griffmitteln abzuwandeln.

Die meisten dieser Zusatzmittel sind auf der Basis von Wachsemulsionen aufgebaut. Sie können natürliche oder synthetische Wachse, Paraffinemulsionen, emulgierende oder emulgierte natürliche Weichmacheröle, synthetische Esterweichmacher oder polymere Weichharze, Metallseifen oder feinstverteilte Kieselsäurederivate allein oder untereinander in verschiedenen Anteilen gemischt enthalten. Die anzutreffenden Varianten sind sehr groß, sie unterscheiden sich im Effekt oft nur wenig voneinander. Abwandlungen der Glanzstufen lassen sich noch relativ leicht unterscheiden. Die Beurteilung des Griffs ist in vielen Fällen sehr subjektiv und durch Worte kaum zu beschreiben. Der Zurichter wählt diese Zusatzmittel im allgemeinen mehr nach dem erzielten Effekt als nach ihrem chemischen Aufbau aus. Trotzdem darf die chemische Natur der Mattier- und Griffmittel nicht völlig außer acht gelassen werden. Das gilt besonders für Schuhoberleder, weil das in der Schuhfabrik nach der Fertigung des Schuhs durch Abwaschen gereinigt und mit einem neuen Appreturauftrag gefinisht wird. Stark wasserabstoßende Griffmittel auf Paraffin- oder Metallseifen-Basis können Auftragsmöglichkeit und Haften des Schuhfinishs beeinträchtigen. Sie können dazu führen, dass die Zurichtung an den Gehfalten des Schuhs reißt. Es bilden sich beim Knicken in den Falten feine graue bis weiße Linien, die aussehen als wäre der Finish gerissen. Er ist meistens noch intakt, wie man bei Betrachten unter der Lupe feststellen kann, hat sich aber in den Knicklinien vom Untergrund abgehoben und wird dadurch transparent. Der darunter liegende Hohlraum lässt ihn weißlich durchscheinen. Die nicht mehr mit dem Untergrund verbundene Appreturschicht ist gegenüber mechanischer Beanspruchung geschwächt. Sie kann nach kurzer Tragezeit platzen, so dass der Schuh gegen Nässeeinfluss von außen nicht mehr geschützt und vorzeitigem Verschleiß ausgesetzt ist. Der Lederhersteller sollte daher seinen Abnehmer vorsorglich informieren, wenn er die Appretur eines bestimmten Ledertyps gegenüber vorangegangenen Lieferungen durch Griffmittel abgeändert hat. Er sollte den Abnehmer auch auf mögliche Folgen aufmerksam machen, wenn dieser von ihm Abänderungen des Aussehens oder Griffs aus modischen Gründen verlangt. Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Leders müssen nicht unbedingt, sie können aber auftreten. Da Schuhe sowohl mit wässrigen wie auch mit lösemittelverdünnbaren Finishmitteln nachbehandelt werden können, kann der Verarbeiter Schwierigkeiten meistens umgehen, wenn er darauf vorbereitet ist.


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lederherstellung/zurichtung/mattiermittel_und_griffmittel.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)