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Polyamid-Zurichtung

Eine dem Anvulkanisieren von Gummisohlen ähnliche Arbeitsweise der Schuhherstellung besteht darin, dass Polyurethansohlen im Extrusionsverfahren als kompaktes Material an den Schuhschaft angespritzt oder als poröses Material angeschäumt werden. Dabei wird der Schuhschaft mit dem Leisten auf die Sohlenform aufgedrückt. Er bildet einen deckelartigen oberen Abschluss der Sohlenform. Durch den starken Druck beim Anspritzen oder Anschäumen wird an einzelnen Stellen, an denen die Sohlenform durch den aufgedruckten Schaft nicht vollständig abgedichtet ist, etwas Polyurethanmaterial herausgequetscht. Dieser Austrieb haftet sehr fest auf der Lederoberfläche, sowohl bei Nitrocellulose- als auch bei Polyurethan-Appretur. Er lässt sich nur sehr schwer entfernen und hinterlässt am Schuh oberhalb des Sohlenrands sichtbare Verletzung der Deckschicht.

Verwendung eines Polyamidlacks als Schlussappretur ergibt einen Oberflächenabschluss, auf dem der Polyurethan-Austrieb nicht haftet. Der Schuh kann ohne Verletzung am Sohlenrand leicht gereinigt werden. Die Polyamidappretur lässt ein weiteres Problem der Verarbeitung von Polyurethansohlen beheben. Wenn das für die Sohlenherstellung verwendete Polyurethan unter Verwendung von Aminen vernetzt worden ist, können unter dem Hitzeeinfluss der Spritz- oder Schaumbedingungen Amine wieder freigesetzt werden. Diese sind schädlich für Nitrocellulose. Die Appretur bzw. der Schlusslack kann sich gelblich, in krassen Fällen dunkelbraun verfärben. Der Nitrocellulosefilm kann rissig werden und in feinen Schuppen abblättern. Polyamid ist gegen solche Amineinflüsse unempfindlich.

Aus modischen Gründen werden Damentaschen, Feinlederwaren und vor allem auch Sommerschuhe oft mehrfarbig angefertigt. Buntfarbig zugerichtetes Leder wird zusammen mit weißem Material verarbeitet. Das weiße Material besteht sehr oft aus lackartig glänzendem, mit Polyvinylchlorid beschichtetem Textilkunstleder. Die Polyvinylchloridschicht enthält viel Weichmacher und dieser hat die Tendenz zu wandern, wenn die weiße Beschichtung mit einem weichmacherärmeren Film in Berührung kommt. Auf diese Weise wird die Zurichtung des mit dem weißen Kunstleder verarbeiteten bunten Leders beeinflusst. Durch den Übertritt von Weichmacher kann eine Nitrocellulose- Zurichtung oder -Appretur des Leders klebrig werden. Feinteilige organische Pigmente, wie sie für leuchtende Bunttöne verwendet werden, oder auch Farbstoffe von der Anilinzurichtung können durch den Einfluss des Weichmachers in die weiße Polyvinylchloridschicht wandern und diese verfärben. Dabei entstehen vor allem an den Rändern, also an den Nahtstellen der zusammengesteppten Teile bunt verfärbte Streifen auf dem weißen Kunstleder. Ein solches Migrieren von Farbstoffen und Weichmachern kann durch eine Polyamid-Appretur des Leders infolge des andersartigen Löseverhaltens des Lackrohstoffs unterbunden werden.

Die aufgeführten verschiedenen Zurichtarten sind in den meisten Fallen nicht streng voneinander abgegrenzt. Art des Bindemittels, Zurichttechnik und Erscheinungsbild des zugerichteten Leders können in vielen Varianten untereinander abgewandelt werden. Sie ergänzen sich gegenseitig und ergeben die Vielfalt der in den verschiedenen Betrieben und Ländern angewendeten Möglichkeiten der Lederzurichtung.


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lederherstellung/zurichtung/polyamid-zurichtung.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)