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Verdickungsmittel und Stabilisiermittel

Für die Zurichtung von Leder mit faseroffener Oberfläche, von Spaltleder oder von tief geschliffenem Rindoberleder, ist es angebracht, dass man Zurichtansätze mit höherer Viskosität verwendet. Die viskose Einstellung verhindert, dass der Auftrag in das stärker saugfähige Fasergeflecht intensiv eingesaugt wird. Die Zurichtflotte hält sich weitgehend an der Oberfläche, der entstehende Film überbrückt die offenen Faserzwischenräume und die Zurichtung füllt und egalisiert die Fläche schon beim ersten Grundierauftrag. Die Viskosität muss den Anwendungsbedingungen angepasst werden. Sie kann bei Streichaufträgen mit Bürste oder Plüsch höher sein als beim Gießen oder Airless - Spritzen.

Einige der als Filmbildner verwendeten Polymerisatdispersionen besitzen von sich aus verdickende Eigenschaften. Das sind polymerisierte Acrylsäureester mit freien Carboxylgruppen. Wenn der pH-Wert der niedrig viskosen, von Natur aus schwach sauren Dispersion durch Zusatz von Ammoniak auf etwa pH 9 angehoben wird, nimmt die Viskosität stark zu.

Das Verdicken sollte vorsichtig erfolgen, indem Ammoniak langsam in die zuvor auf Anwendungskonzentration verdünnte Grundierflotte eingerührt wird. Wird konzentriertes Ammoniak der unverdünnten Polymerisatdispersion unmittelbar beigemischt, fällt der Binder unter starkem Verklumpen aus. Er kann dann nicht mehr oder nur durch langwieriges, sehr intensives Durchrühren wieder homogen verteilt werden.

Binder, die nicht von sich aus verdickbar sind, werden mit einem Verdickungsmittel versetzt. Solche Produkte arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie vorstehend beschrieben. Sie enthalten freie Carboxylgruppen in Form von Polyacryl- oder -methacrylsäure und werden durch Ammoniak aus dünnflüssiger Dispersion in eine hochviskose Lösung übergeführt. Im Prinzip wirken auch andere Alkalien, z. B. Natron- oder Kalilauge verdickend, doch steigert Ammoniak die Viskosität am meisten und außerdem beeinträchtigt es die Wasserfestigkeit des Films praktisch nicht. Ammoniak verflüchtigt beim Trocknen der Grundierschicht, während Alkalilaugen im Film verbleiben. Das Verdicken von Airless- oder Gießflotten für narbengeschliffenes Leder bezweckt neben hoher Füllwirkung, dass die verhältnismäßig nassen Aufträge nicht von der Lederoberfläche weg fließen. Beim Gießen kommt der Viskositätssteigerung noch der zusätzliche Effekt zu, dass die Gießflotte stabilisiert wird. Der Binder darf durch die starken Scherkräfte, welche bei dem kontinuierlichen Umpumpen durch die Gießmaschine auf die Flotte einwirken, nicht ausflocken.

Der flüssige Gießvorhang darf während des freien Falls von der Gießlippe auf das Leder nicht abreißen. Er darf auch durch die Luftwirbel, welche von dem rasch durchlaufenden Leder hervorgerufen werden, nicht aufreißen. Außerdem darf die Gießflotte beim Rücklauf in den Sammelbehälter und beim Eindrücken in den Verteilerkasten möglichst keinen Schaum bilden, weil das die Stabilität des Gießvorhangs und die Ausbildung eines glatten, homogenen Films auf dem Leder stört.

Die in ammoniakalischer Lösung wirksamen Polyacrylsäureverdicker erhöhen die Viskosität und stabilisieren auch die Gießflotte. Ihre Wirksamkeit kann aber während der Anwendung auf der Gießmaschine zurückgehen. Durch den Umlauf der Flotte verflüchtigt sich ein Teil des Ammoniaks, so dass die Viskosität allmählich abnimmt und die durch die Maschineneinstellung ursprünglich einregulierte Menge der auf das Leder aufgetragenen Flüssigkeit immer mehr anwachsen kann. Für Gießflotten werden deshalb spezielle Stabilisiermittel bevorzugt. Solche Gießpasten sind unabhängig von pH- Schwankungen, die innerhalb der verschiedenen Gießansätze auftreten können. Sie können auf der Basis von Polyvinyläther oder anderen, hochviskose Lösungen ergebenden Substanzen aufgebaut sein. Sie sind schaumdämpfend und gewährleisten glatten Verlauf des Gießvorhangs über die gesamte Anwendungsdauer der Gießflotte.


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lederherstellung/zurichtung/verdickungsmittel_und_stabilisiermittel.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/04 15:32 (Externe Bearbeitung)