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92 Echtheitsanforderungen an Leder für Bekleidung Handschuhe und Möbel aus dem Jahre 1970

Echtheitsanforderungen an Leder für Bekleidung, Handschuhe und Möbel

Von G. Königfeld

Aus der Westdeutschen Gerberschule Reutlingen

Im Rahmen der Themenstellung Farbechtheit werden die derzeitigen Echtheitsanforderungen an Leder für Bekleidung, Handschuhe und Möbel behandelt.

Under the heading of Colour Fastness, there are discussed the present day requirements for leathers for clothing, gloves and furniture.

Wie bekannt, hat das Deutsche Lederinstitut in Freiberg schon vor Jahrzehnten Güterichtlinien für alle gebräuchlichen Lederarten erarbeitet, die erstmalig in dem Buche über die Qualitätsbeurteilung von Leder, Lederaustauschwerkstoffen und Lederpflegemitteln von H. Herfeld 1943 veröffentlicht wurden.

Hier finden sich auch schon Güterichtlinien über Bekleidungs-, Handschuh- und Möbelleder, die später von vielen anderen Institutionen des In- und Auslandes als Richtschnur für die Erstellung eigener Güte- bzw. Lieferbedingungen zugrunde gelegt wurden.

Der Begriff Bekleidungsleder ist ebenso wie der des Oberleders ein Sammelbegriff für Leder der verschiedensten Tier-, Gerb- und Zurichtungsarten. Hinzu kommt der Umstand - was übrigens für alle gebräuchlichen Lederarten gilt -, daß trotz aller internationalen Bemühungen die Güteanforderungen und die Prüfmethoden auch heute noch weitgehend verschieden sind.

Trotzdem soll versucht werden, die zur Zeit im Vordergrund stehenden Anforderungen an Leder dieser Art zu behandeln. An sich hätte man die bereits erwähnten Freiberger Richtlinien zugrunde legen können, doch haben sich im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte auf dem Ledersektor ganz allgemein nicht nur die modischen Gesichtspunkte, sondern vor allem auch

die Zurichtungs- und Verarbeitungsmethoden in so starkem Maße geändert, dass man mit den damals aufgestellten Qualitätsanforderungen bei weitem nicht mehr auskommt.

Es ist verständlich, daß man für Bekleidungsvelours-, Nubuk- und Nappa-Leder teilweise andere Echtheitsmaßstäbe anlegen muß. Indessen gibt es eine Reihe von Eigenschaften, die man grundsätzlich von jedem Bekleidungsleder für Oberbekleidung, unabhängig von der Gerbung und der Zurichtung, erwarten kann. Grundsätzlich ist dabei die Tendenz zu erkennen, auf Leder möglichst die gleichen Echtheiten zu erzielen wie bei Textilbekleidung. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, daß die meisten dieser Echtheitseigenschaften heute auch durchaus erreichbar sind. Leider haben sich aber die betreffenden Produkte bzw. Verfahren zur Qualitätsverbesserung oft noch nicht eingeführt, und zwar vor allem deswegen, weil niemand bereit ist, die Mehrkosten zu tragen. Dies gilt nicht nur für Bekleidungsleder allein.

Bei der nachfolgenden Benennung der Qualitätsmerkmale für Bekleidungsleder können wir uns auf eine Vielzahl einschlägiger Reklamationsfälle stützen. So ergeben sich immer wieder Beanstandungen infolge einer nicht gleichmäßigen Durchfärbung der betreffen den Rauleder oder wegen der Nichtübereinstimmung der Grundfärbung mit dem Farbton der Deckschicht bei Nappaledern, indem dann beim Tragen der Kleidungsstücke die helleren Innenzonen oder der andersfarbige Lederuntergrund unliebsam in Erscheinung treten.

Gelegentlich kommt es nicht nur zur Verschmutzung von Hemden und Blusen, sondern auch zu Anfärbungen von Hautstellen am Hals und an den Armen infolge einer unzureichenden Trocken- und Naßreibechtheit der Färbung. Zu analogen Erscheinungen führt es, wenn die Bekleidungsleder nicht schweißbeständig sind, übrigens führt nicht nur eine mangelhafte Fixierung der Farbstoffe zu Beanstandungen, sondern es kommt auch dann zu Reklamationen, wenn wertvolle Blusen und Pullover, ferner Hemden und sonstige Kleidungsstücke durch anhaftenden Schleifstaub ruiniert werden.

Schwierigkeiten ergeben sich weiterhin, wenn die Bekleidungsleder keine wasserabweisende Ausrüstung erfahren haben, wodurch es zu unliebsamen Wasser bzw. Regenflecken kommt.

Eine Forderung, die an Bekleidungsleder unbedingt gestellt werden muß, die jedoch häufig nicht erfüllt wird, ist die nach einer guten Lichtbeständigkeit. Hier sind es oft die für die Gerbung eingesetzten vegetabilischen Gerbstoffe, z. B. der aus Indien importierten vorgegerbten Leder, die sehr unschöne Verfärbungen am Licht auslösen.

Da Lederbekleidung nach einer gewissen Tragedauer gereinigt werden muß, ist es wichtig, daß die Bekleidungsleder eine einwandfreie Reinigungsbeständigkeit aufweisen, eine Eigenschaft, die man durch entsprechende Behandlung mit Reinigungsbenzin, Tri- und Perchloräthylen etc. zu ermitteln versucht. Dabei spielt auch die Lösungsmittelechtheit der Fettung eine nicht unwichtige Rolle, d. h., die Fettstoffe sollten im Leder so fest gebunden sein, daß sie im Reinigungsbad nicht herausgelöst werden.

Galten die bisher genannten Forderungen für Bekleidungsleder ganz allgemein, so gibt es noch Qualitätseigenschaften, die man speziell an gedeckte Nappabekleidungsleder stellen muß, so z. B. die nach einer ausreichenden Haftfestigkeit des Deckschichtauftrages und einer einwandfreien Dauerknick- und -faltbeständigkeit im Flexometer, denn es führt immer zu unerfreulichen Beanstandungen, wenn bereits nach kurzer Tragedauer die Deckschicht rissig wird oder gar abblättert.

Wichtig erscheint auch, daß die Zurichtung in ihrem Dehnungsverhalten der Verdehnbarkeit des Lederuntergrundes sachgemäß angepasst ist, d. h., daß es nicht zu einem Aufziehen des Deckfilmes kommt, was besonders nachteilig ist, wenn hierdurch eine andersfarbige Grundierung zum Vorschein kommt. Die Praxis hat gezeigt, daß es auch Fälle gibt, in denen die Beständigkeit der Pigmente gegenüber dem Einfluss von Schwefelwasserstoff, wie er gelegentlich in der Luft enthalten sein kann, wichtig ist.

Zusammenfassend zum Thema Bekleidungsleder ist festzustellen, daß alle diese Leder als Schwerpunkts - Eigenschaften eine ausgezeichnete Trocken- und Naßreibechtheit sowie eine sehr gute Licht- und Reinigungsbeständigkeit besitzen müssen.

Von Veloursledern ist zusätzlich eine ausreichende Hydrophobierung bzw. Regentropfenbeständigkeit, von Nappabekleidungsledern eine gute Haft- und Dauerbiegefestigkeit des Deckschichtauftrages zu erwarten.

Wenn aus Bekleidungsledern Freizeit-Hemden, Blusen, Bikinis usw. hergestellt werden sollen, muß man eine besonders gute Wasser-, vor allem aber Waschbeständigkeit verlangen, eine Forderung, die nach unseren Erfahrungen nicht leicht zu realisieren ist und die gelegentlich in einem gewissen Antagonismus zur Chemischreinigungsbeständigkeit steht, so daß waschbare Leder oft unzureichend reinigungsbeständig sind und umgekehrt. Hier mag erwähnt werden, daß die Waschbarmachung von derartigen Bekleidungsledern oft an dem Preis der betreffenden Spezial-Farbstoffe scheitert.

Ausgehend von diesem Problem der Waschechtheit wollen wir zu den Handschuhledern übergehen, bei denen die Waschbarkeit zwar keine generell zu fordernde Eigenschaft darstellt, immerhin aber doch eine Qualitätseigenschaft, die in zunehmendem Maße verlangt wird. Waschbare Leder dieser Art werden daher auch meist mit einem entsprechenden Etikett versehen.

Auch Handschuhleder können aus dem unterschiedlichsten Haut- bzw. Fellmaterial und in verschiedenartiger Gerbung und Zurichtung hergestellt werden, wobei das Hauptcharakteristikum dieser Leder ihre besondere Geschmeidigkeit und Zügigkeit darstellt.

Außer einer guten Gleichmäßigkeit der Färbung erwartet man von Handschuhledern auch einen genügend eingefärbten Lederschnitt. Es ist wohl verständlich, dass - in Anbetracht des ähnlichen Verwendungszweckes - die an Handschuhleder zu stellenden Qualitätsanforderungen weitgehend mit denen übereinstimmen, wie sie schon bei den Bekleidungsledern genannt worden sind, d. h., auch Handschuhleder sollen ausreichend trocken- und nassreibecht, licht- und reinigungsbeständig, vor allem aber gut schweißbeständig sein. Wichtig erscheint weiterhin eine gute Diffusionsechtheit der Färbung, und zwar besonders dann, wenn farbige Handschuhleder mit weißen oder hellfarbigen Ledern bzw. Kunstledern zusammen am selben Handschuh konfektioniert werden. Hier kommt es gelegentlich zu berechtigten Reklamationen, indem aus den betreffenden Handschuhledern organische Farbstoffkomponenten oder Schönungsfarbstoffe in die hellen Deckschichten der mitverarbeiteten Leder oder Kunststoffe abwandern.

Hinsichtlich der Waschbarkeit sowie der Nassreib- und Schweißbeständigkeit sind die schwarzgefärbten Handschuhleder besonders problematisch, und zwar wegen des dabei gebräuchlichen hohen Farbstoffangebotes und der daher oft nicht ausreichenden Farbstofffixierung.

Gedeckte Glacé und Nappaleder müssen - ebenso wie deckfarbenzugerichtete Bekleidungsleder - eine gute Haft- und Dauerbiegefestigkeit der Deckschicht besitzen. Auch bei ihnen muß das Dehnungsverhalten des Deckschichtauftrages dem des Lederuntergrundes angepasst sein, um ein Aufziehen bzw. einen sogenannten Weißbruch der Zurichtung zu vermeiden.

In den letzten Jahren sind lederbezogene Polstermöbel nicht nur in Deutschland immer mehr in Mode gekommen. Die entsprechenden Leder können loh- und chromgar sowie kombiniert gegerbt und in vielfältiger Weise zugerichtet sein. Unabhängig jedoch von diesen unterschiedlichen Gerb- und Zurichtungsmethoden muss auch an die Möbelleder eine ganze Reihe von Forderungen gestellt werden, wenn es bei der Verarbeitung und vor allem beim Gebrauch nicht zu ernsteren Reklamationen kommen soll.

Im Hinblick auf die Verarbeitung muß zunächst erwartet werden, daß sie gegen alle im Rahmen der Polstermöbelherstellung verwendeten Hilfsmittel, wie wässrige Dispersions- und lösungsmittelhaltige Klebstoffe, Schaum- und Futterstoffe beständig sind, d. h., daß sie mit allen diesen Mitteln keine Verfärbungen oder Randbildungen ergeben.

Für den praktischen Gebrauch erscheinen die Forderungen nach einer ausreichenden Trocken- und Naßreibechtheit sowie einer einwandfreien Scheuer- und Kratzfestigkeit besonders wichtig. Zur Vermeidung eines unliebsamen Abflusens und einer dadurch bedingten Anschmutzung von Kleidungsstücken sollten Veloursleder für Möbelbezüge - ähnlich wie Bekleidungsleder - nach dem Färben nicht mehr nachgeschliffen werden.

Von weiterer großer Bedeutung sind eine gute Licht-und Schweißbeständigkeit sowie eine sorgfältige Durchfärbung dieser Leder. Besonders hohe Anforderungen an die Lichtbeständigkeit von Polsterledern werden in den USA gestellt.

Zur Vermeidung einer vorzeitigen Verschmutzung und Verfleckung sollten Möbelleder möglichst mit geeigneten Hilfsmitteln schmutz- und fleckenabweisend ausgerüstet bzw. hydrophobiert sein.

Eine besondere Rolle spielt auch hier die schon bei den Handschuhledern erwähnte Diffusionsechtheit der Färbung, um ein Ausbluten der Lederfarbstoffe beispielsweise in hellerfarbige Leder- oder Kunstlederbekleidungsstücke etc. zu vermeiden. Schon bei der Verarbeitung von Möbelledern, oft auch nach nur kurzem Gebrauch, hat sich gezeigt, daß die Deckschichten aufgebrochen sind und dann einen hellerfarbigen Lederuntergrund zutage treten ließen, so daß man auch von diesen Ledern eine einwandfreie Dehn- bzw. Aufzugsfestigkeit der Deckschichten fordern muß. Daß letztere auch eine gute Haftfestigkeit sowie Dauerbiegebeständigkeit besitzen müssen, braucht nicht besonders erwähnt zu werden.

Für den Gebrauch interessieren weiterhin die Alterungs- und Wärmebeständigkeit, d. h., die Deckschichtaufträge dürfen nicht verspröden, klebrig werden oder Ausschläge zeigen, wie das immer wieder einmal beobachtet werden kann. Sofern die betreffenden Leder zum Polstern von Automobilen eingesetzt werden, müssen die Deckschichten auf ihre Kältebeständigkeit geprüft werden.

Schwierigkeiten treten bei Polsterbezügen auch im Zusammenhang mit der Reinigungs- und Pflegemittelbehandlung ein, so daß man die Polsterleder, jeweils auch hinsichtlich ihres Reinigungs- und Pflegeverhaltens gegenüber Benzin, neutralen Abwasch- und handelsüblichen Spezialpflegemitteln prüfen sollte, wie sie die Pflegemittelindustrie auf den Markt gebracht hat. Empfehlenswert erscheint es hier, den Polsterledern schon eine Pflegeanleitung mitzugeben, wie das gelegentlich von Lederfabriken getan wird.

Schließlich mag auch für diese Leder noch einmal auf die Notwendigkeit einer Schwefelwasserstoffbeständigkeit hingewiesen werden, die besonders bei hellfarbigen Zurichtungen von Bedeutung sein kann, und zwar vor allem dort, wo die umliegende Industrie die Luft entsprechend verunreinigt. Als wichtigste Eigenschaften, die man von Möbelledern in jedem Falle fordern muß, sollen abschließend zu diesem Thema der Echtheitsanforderungen nochmals zusammenfassend genannt werden:

  • eine sehr gute Trocken- und Naßreibechtheit,
  • eine gute Lichtbeständigkeit,
  • eine ausreichende Haft- und Dauerbiegefestigkeit sowie
  • eine einwandfreie Verdehnbarkeit des Deckschichtauftrages.

Nachdem nun die wichtigsten Qualitätsanforderungen besprochen worden sind, die zur Zeit an Leder für Bekleidung, Handschuhe und Möbel gestellt werden, soll noch kurz auf die Methoden eingegangen werden, nach denen diese Eigenschaften geprüft werden.

Hier ist festzustellen, daß ebenso wie im Hinblick auf die geforderten Echtheiten bzw. die Höhe der Güterichtwerte auch auf dem Prüfsektor leider noch keine Einheitlichkeit hinsichtlich der angewandten Untersuchungsverfahren besteht. Selbst in den Fällen, in denen bereits entsprechende I.U.F.- oder I.U.P. Methoden existieren, gibt es noch Prüfstellen, bei denen Instituts- bzw. betriebseigene Qualitätsprüfungen dieser Art angewandt werden, ein Umstand, der eine einheitliche Qualitätsbeurteilung dieser Leder erschwert.

Wie schon angedeutet, gibt es bereits eine ganze Reihe von Echtheitsprüfungen bzw. von entsprechenden Entwürfen, die von der Internationalen Farbechtheitskommission bzw. der Internationalen Kommission für physikalische Lederprüfung erarbeitet worden sind und sehr oft auf VESLIC-Methoden basieren, so z. B. die einschlägigen I.U.F.-Methoden

  • für die Lichtechtheit,
  • für die Wasserechtheit der Färbung,
  • für die Waschbarkeit und Schweißbeständigkeit,
  • für die Diffusionsechtheit,
  • für die Trocken- und Naßreibechtheit

ferner die I. U. P.-Methoden

  • für die flächenhafte Verdehnbarkeit der Zurichtung im Lastometer sowie
  • für das Dauerbiegeverhalten im Flexometer.

Daneben werden gelegentlich auch noch DIN-Methoden zur Echtheitsprüfung herangezogen, so z. B.

  • DIN 54 004 für die Lichtechtheit,
  • DIN 54 021 für die Scheuerfestigkeit,
  • DIN 53 337 für die Bestimmung der Schweißbeständigkeit, für die darüber hinaus je nach Prüfstelle auch noch unterschiedliche Schweißflüssigkeiten zum Einsatz kommen.

Es wird aufgefallen sein, daß in diesem Referat keine Zahlenangaben über die genannten Qualitätsmerkmale gemacht wurden. Das hängt damit zusammen, dass wir beispielsweise auf dem Polsterledergebiet zwar eine stattliche Anzahl von betriebseigenen, in ihren Qualitätsansprüchen aber ungewöhnlich stark unterschiedlichen Lieferbedingungen der verarbeitenden Betriebe, aber insgesamt noch keine allgemein verbindlichen Zahlenwerte dieser Art besitzen.

Wir können uns daher bei der Qualitätsbeurteilung der fraglichen Lederarten - ebenso wie bei der Bearbeitung von Reklamationsfällen - jeweils nur unserer institutseigenen Erfahrungswerte bedienen. Ich möchte daher abschließend der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese in der Prüftechnik wie auch in der Höhe der Qualitätsanforderungen zur Zeit noch bestehenden Unterschiedlichkeiten baldmöglichst in Wegfall kommen, damit alle, die sich mit der Ermittlung von Echtheitseigenschaften von Bekleidungs-, Handschuh- und Möbelledern beschäftigen müssen, eine einheitliche Sprache sprechen und somit überall verstanden werden können.

Diskussion zum vorangegangenen Vortrag:

Herwijnen:

Ich möchte gerne fragen, wie Sie die Alterung des Leders prüfen und welche Ansprüche Sie dabei stellen. Die Alterung hat erhebliche Bedeutung bei Möbelledern, von denen man erwartet, daß sie lange Zeit halten sollen.

Königfeld:

Die Alterung prüfen wir, nachdem wir das Leder 3 Tage bei 50° C aufbewahrt haben. Wir prüfen, ob die Deckfarben klebrig, spröde oder brüchig werden. Wir stellen fest, ob die Dauerbiegefestigkeit im Flexometer noch in Ordnung ist.

Herwijnen:

Ich möchte weiter fragen, ob Sie irgendeine Methode empfehlen können, mit der Sie ältere Möbelleder wieder in der Oberfläche auffrischen können. Uns fragen öfters Hausfrauen, was man machen kann, um zu verhindern, daß die Deckschichten Brüche bekommen.

Königfeld:

Eine derartige Auffrischung bzw. Konservierung des Leders ist natürlich nicht sehr einfach, aber es gibt heute schon eine ganze Anzahl bewährter Pflegemittel. Ich kann Ihnen die Herstellerfirmen gerne benennen, wenn Sie das wünschen.

Herwijnen:

Sie haben ferner über die Kältebeständigkeit von Autopolsterledern gesprochen. Unter welchen Bedingungen prüfen Sie?

Königfeld:

Wir prüfen bei -20° C.

Herfeld:

Herr Herwijnen, darf ich Sie fragen, wie Sie die Alterungsbeständigkeit des Leders prüfen?

Herwijnen:

Bis jetzt verfahren wir so, daß wir das Leder dreimal nass machen und jeweils wieder trocknen, anschließend im Flexometer prüfen und dann die Flexibilität beurteilen.

Wachsmann:

Ich möchte hierzu nur kurz bemerken, dass das Nassmachen als Prüfmethode aus älterer Zeit übernommen wurde, in der Polsterleder bei der Verarbeitung noch nass gemacht wurde. Heute ist das nicht mehr nötig.

Schubert:

Herr Wachsmannn, Sie sagten eben, dass das Nassmachen der Polsterleder heute nicht mehr üblich sei. Es gibt aber unter den Möbelpolsterledern viele Kissenbezüge mit Reißverschluß, die man herunternehmen und auf nassem Wege in der Waschmaschine reinigen kann. Ein Nassmachen erfolgt doch dann bei jeder Reinigung.

Wachsmann:

Wenn Sie Velours- oder Nubukleder meinen, die Sie so waschen und reinigen, so bin ich damit einverstanden. Das betrifft aber nicht zugerichtete Leder.

Königfeld:

Ich möchte bemerken, daß abgedeckte Leder, soweit sie als Kissenbezüge von Polstermöbeln verarbeitet sind, heute in großem Umfang zur chemischen Reinigung gebracht werden. Sie werden nicht gewaschen, aber chemisch gereinigt. Also, Wasser werden sie damit nicht ausgesetzt.

NN:

Ich kenne Leute, die die elektrostatische Aufladung ihrer Polstermöbel beanstanden. Auch ich selbst habe eine Polsterledergarnitur aus Anilinleder und habe festgestellt, daß diese Beanstandungen zu Recht bestehen. Wenn jemand Schuhe ohne Ledersohlen trägt und länger auf einem derartigen Polstermöbel sitzt, so können ganz erhebliche elektrostatische Entladungen vorkommen. Aus der Textilindustrie sowie der Synthesefaserindustrie ist bekannt, daß immer dann Verarbeitungsschwierigkeiten entstehen, wenn der spezifische Widerstand größer als 1010 cm ist. Ich habe mir nun einmal die Mühe gemacht, die elektrostatischen Aufladungen zu messen, um dahinter zu kommen, wie es hierzu kommt. Ich habe festgestellt, daß ein kaum gefinishtes Leder einen spezifischen Widerstand um 109cm hat. Bei einem derartigen Widerstand kann es schon zu einer elektrostatischen Aufladung kommen. Gefinishtes Leder verhält sich nach meinen Messungen in jedem Falle ungünstiger, d. h., der spezifische Widerstand lag erheblich höher. Da die elektrostatische Aufladung den Gebrauchswert von Möbelledern ganz beträchtlich mitbestimmt, sollte man nach Möglichkeiten suchen, um dies zu verhindern. Merkwürdig ist dabei, daß Polsterledergarnituren aus Polyamidfasern und Dralonfasem, die an der Oberfläche eine schlechtere Leitungsfähigkeit besitzen, nicht zu elektrostatischen Aufladungen führen. Vermutlich hängt das mit der Oberflächenbeschaffenheit zusammen, wie z. B. Faserverteilung und dergleichen, die einen schnelleren Ausgleich der Ladungen zulässt. Sehen Sie Möglichkeiten, die elektrostatische Aufladung zu verhindern?

Königfeld:

Es gibt eine ganze Reihe antistatischer Mittel im Handel, die auch von der einen oder anderen der hier vertretenen Hilfsmittelfirmen verkauft werden. Erfahrungen haben wir damit jedoch nicht Ich weiß aber, dass Automobilfabriken Wagen zurücknehmen mussten, Lederpolster ersetzen mussten, weil diese sich zu stark elektrostatisch aufgeladen hatten.

Möhlenbeck:

Also, ich wundere mich, daß sie gedeckte Polsterleder in der Waschmaschine reinigen wollen. Was erwarten Sie dabei? Alle auf wässeriger Basis angewandten Binder sind doch auf dem Leder anquellbar. Ein Walken im vollkommen durchfeuchteten Zustand hält doch eine derartige Zurichtung nicht aus.

Bei der elektrostatischen Aufladung kommt es doch sehr darauf an, welchen Wasserhaushalt man im Leder hat. Bei einem hohen Feuchtigkeitsgehalt des Leders ist die elektrostatische Aufladung nicht groß oder gar nicht vorhanden. Im übrigen bin ich nicht der Meinung, daß diese Erscheinung nur bei Leder auftritt. Bitte, steigen Sie einmal in ein Auto, bei dem die Kissen mit einem Substitut bezogen sind, z. B. innen eine Art Rips und außen ein Polymerisat, schließlich Schaumstoffe darunter. Bitte, fassen Sie einmal die Tür an. Man wagt ja nicht mehr, aus dem Auto auszusteigen, damit es nicht knallt.

Haben Sie sich einmal die Abnahmebedingungen der Automobilindustrie angesehen? Ich frage Sie als Fachleute. Wer weiß von Ihnen, was eine Oberflächenverdichtung von lohgar gegerbtem Leder ist? Das steht in den Abnahmebedingungen der deutschen Automobilindustrie. Man steht dort offenbar auf dem Standpunkt, dass das Leder besser ist, wenn es durch Pressen verdichtet wird. Heute noch reden die Fachleute völlig aneinander vorbei. Die Betriebslaboratorien der Autoindustrie haben Abnahmebedingungen der amerikanischen Armee von 1948. Derartig stark abgedeckte und verdichtete Leder haben selbstverständlich einen anderen spezifischen Widerstand als ein vollnarbiges offenporiges Leder.

NN:

Was sollen wir nun mit Ihrer Kritik an den Anforderungen anfangen?

Möhlenbeck:

Wir haben eben deswegen verschiedene Anforderungen zu erfüllen, weil wir keine zentralen haben.

Herfeld:

Ich empfehle Ihnen, sich mit dem Verband der Deutschen Lederindustrie hierüber zu unterhalten. Im übrigen glaube ich selbst auch, dass diese Frage der Anforderungen ein heterogenes Problem ist.

Wir haben uns bei Zylinderkalbfellen mit der Aufladung befasst. Sie hängt, wie wir fanden, 1. von der Lederart ab. So z. B. ist die Gefahr der Aufladung bei Chromleder um so größer, je mehr Chrom im Leder ist. Lohgare Leder laden sich weniger auf. 2. hängt es, wie schon gesagt, vom Wasserhaushalt ab. Wenn man die Zylinderkalbleder mit Stoffbahnen zusammenbringt, die nicht so sehr ausgetrocknet sind, so ist das im allgemeinen besser. Die Austrocknung des Leders hängt auch erheblich mit der Art der Fettung zusammen. 3. wird die elektrostatische Aufladung durch die Deckschichten beeinflusst. Je kompakter die Deckschicht ist, desto stärker die Aufladung.

Auch die Wasserdampfdurchlässigkeit des Leders spielt, wie wir sehen, eine Rolle. Je mehr Wasserdampf durchgelassen wird, um so weniger Aufladung. Bei Kunstleder ist diese Ableitung des Wasserdampfes oft nicht so gut.

Wir müssen uns klarmachen, daß wir in einem Auto gleichsam in einem Isolator sitzen und daß es darauf ankommt, Ladungen nach außen abzuleiten. Wenn aber wie heute altes aus Kunststoff besteht, so ist die Isolierung sehr vollständig. Das Verwenden von Antistatika hat aber nur dann einen Sinn, wenn die Deckschicht eine gewisse Porosität aufweist. Wir fanden, daß immer dann, wenn die Deckschicht zu dick war, die antistatischen Mittel wenig nützen. Bei dünnen Deckschichten machten wir gute Erfahrungen. Hierüber gibt es Veröffentlichungen.

Wachsmann:

Es muß hier gesagt werden, daß alle Antistatika Feuchtigkeitsregulatoren sind.

NN:

Herr Dr. Königfeld, erlauben Sie mir eine Bemerkung zur Pflege von Möbelledern. Die Polstermöbelhersteller hängen an ihre Polsterledergarnituren ein Schild vom Verband der Deutschen Lederindustrie, auf dem u. a. der schöne Satz steht: Das Leder ist lichtbeständig und leicht zu reinigen. Auf der Rückseite des Anhängers werden bestimmte Mittel zur Reinigung empfohlen. In der Praxis kommt es besonders in Haushalten mit Kindern zu den merkwürdigsten und vielfältigsten Verschmutzungen der Leder. Die Hausfrau verwendet dann meist ein derartiges Reinigungsmittel und prüft ein anderes, wenn das erste nicht wirksam ist. Häufig nimmt sie schließlich Schuhwachs und - zuletzt - geht die Deckfarbe ab von dem vielen Probieren. Dann werden die Leder reklamiert, weil sie nicht genügend beständig gegen Pflegemittel sind. Ich möchte nun fragen, ob es wirklich richtig ist, bestimmte Pflegemittel für alle Polsterlederfabrikate zu empfehlen. Sollte man nicht z. B., wie bei der Reinigung eines Hemdes, empfehlen: Probieren Sie zunächst an einer unsichtbaren Stelle, ob das Reinigungsmittel das Leder nicht auch verändert!

Königfeld:

Ich finde es ebenfalls sehr riskant, wenn eine Polstermöbelfabrik die Anhängeetiketten des Werberates 100%ig für verbindlich ansieht. Auch wir haben schon mehrfach Reklamationen gehabt, bei denen man sich ganz auf die Angaben des Werberates verlassen hatte und dann enttäuscht wurde. So leicht darf sich ein Polstermöbelhersteller dies wahrscheinlich nicht machen. Er sollte sich auf alle Fälle selbst davon vergewissern, ob die angebotenen Leder wirklich den Anforderungen entsprechen. Polstermöbelfabrikanten sollten also nur Leder verarbeiten, wenn sie sich überzeugt haben durch Untersuchungsatteste oder eigene Untersuchungen, daß sie wirklich reinigungsbeständig, reibbeständig, lichtecht usw. sind. Diese Prüfung ist nicht durch Anhängen eines Etiketts vom Werberat zu ersetzen. Dadurch ist er nicht von den Verpflichtungen zum Schadenersatz entbunden.


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